Der veränderliche Stern T Coronae Borealis (T CrB) ist eine so genannte "rekurrierende Nova". Aus bisherigen Beobachtungen ergab sich, dass der Stern etwa alle 80 Jahre einen Helligkeitsausbruch zeigt. Demnächst könnte dies wieder der Fall sein. Ein regelmäßiger Blick zum Sternbild der Nördlichen Krone ist jedenfalls ratsam, denn bei einer Nova handelt es sich um ein eher kurzes Spektakel.
Lage des Sternbilds der Nördlichen Krone am Osthimmel nach Mitternacht samt dem Ort der zu erwartenden Nova.
Simulation mit Stellarium, www.stellarium.org.
Bei einem Ausbruch dürfte die Nova die zweite oder dritte Größenklasse erreichen, würde also mit freiem Auge zu erkennen sein. Bei zweiter Größenklasse wäre sie die hellste Nova seit jener im Jahr 1975 im Sternbild Schwan.
Der Doppelstern T Coronae Borealis
Das 2.600 Lichtjahre entfernte System besteht aus einem Roten Riesenstern mit 1,2 Sonnenmassen (Spektralklasse M4 III) und einem Weißen Zwergstern mit 1,4 Sonnenmassen, die in einem Abstand von 0,54 Astronomischen Einheiten (also etwa der halben Distanz Erde-Sonne) einmal in 227,8 Tagen ihren gemeinsamen Schwerpunkt umkreisen.
Der geringe Abstand zwischen den beiden so unterschiedlichen Sternen hat zur Folge, dass stetig Materie von dem Roten Riesen auf den Weißen Zwerg überläuft und um diesen eine Akkretionsscheibe bildet.
Schematische Darstellung von T CrB. Image credit: NASA/CXC/M.Weiss.
In den Jahren 1217, 1787, 1866 und 1946 wurden bei diesem Stern Ausbrüche beobachtet. Die scheinbare Helligkeit stieg jeweils auf zweite Größenklasse an. Da sich aus den letzten drei Ereignissen eine Periode von ca. 80 Jahren ableiten ließe, würde der nächste Ausbruch für 2026 zu erwarten sein. Jüngste Beobachtungen lassen auf ein Helligkeitsverhalten wie vor dem Ausbruch 1946 schließen. Manche erwarten den nächsten Ausbruch daher schon früher, nämlich 2024 oder 2025. Als gesichert darf diese Prognose aber nicht angesehen werden.
Tautenburger Astronomen melden nun (Februar 2025) "signifikante Änderungen im Spektrum von T CrB. Die Emissionslinien im Spektrum sind sprunghaft angestiegen, was auf eine stark erhöhte Akkretionsrate hindeutet. Des Weiteren sind nun Emissionslinien zu sehen, die nur bei einer Temperatur von mindestens 40000 K entstehen können. [...] Dies könnten erste Anzeichen sein, dass die Nova in Kürze ausbrechen wird".
Aufruf zur Beobachtung
Der Aufruf lautet ganz einfach: Hinschauen! Und das möglichst oft. Da T CrB im Helligkeitsmaximum leicht mit freiem Auge zu sehen ist und in etwa die Helligkeit des Hauptsterns der Nördlichen Krone, Alphecca, erreicht, braucht es dazu keinerlei Ausrüstung.
Grobe Suchkarte für T Crb für das freie Auge. Erstellt mit Cartes du Ciel.
Suchkarte für T CrB für Feldstecher und kleine Fernrohre. Erstellt mit Cartes du Ciel.
Da T CrB auch im Helligkeitsminimum ein Objekt der 10. Größenklasse ist, sind natürlich auch Beobachtungen vor (und nach) einem möglichen Ausbruch sinnvoll und mit Amateurmitteln leicht möglich. Für die ernsthafte Beobachtung dieses interessanten Sterns seien die Seiten der AAVSO (American Association of Variable Star Observers) empfohlen, speziell die Seite zu T CrB: https://www.aavso.org/tcrb-charts-photometry-tables
Was ist eine Nova?
Eine Nova ist ein Helligkeitsausbruch in einem engen Doppelsternsystem aufgrund einer explosiven Zündung des Wasserstoffbrennens auf der Oberfläche eines Weißen Zwergs. Bei dem engen Doppelstern handelt es sich um ein System aus einem Hauptreihen- oder Riesenstern und einem Weißen Zwerg. Die beiden Sterne umkreisen einander so eng, dass Materie vom Hauptstern auf den Weißen Zwerg übergeht. Diese bildet um den Weißen Zwerg zunächst eine Akkretionsscheibe, aus der sie weiter auf den Weißen Zwerg stürzt und sich dabei weiter erhitzt. Wird eine ausreichend hohe Temperatur erreich, setzt auf der Oberfläche des Weißen Zwergs spontan Kernfusion ein. Dieses Ereignis beobachten wir als Nova.
Anders als bei einer Supernova dauert der Helligkeitsausbruch bei einer Nova nur wenige Tage.
(AP)