Der Radiant der PerseidenDie Perseiden sind ein jährlich wiederkehrender Meteorstrom, der seinen Ursprung im Kometen 109P/Swift-Tuttle hat. Wenn die Erde dessen Staubspur kreuzt, verglühen die sandkorngroßen Teilchen in der Atmosphäre und erzeugen den bekanntesten Meteorstrom im Jahr, der seinen Höhepunkt Mitte August erreicht. 2026 könnten die Bedingungen nicht besser sein.

Meteore im Sommer

Während zu Beginn des Sommers noch recht wenige Meteore sichtbar sind, so nimmt ihre Zahl von Mitte Juli an stetig zu. In der letzten Juliwoche sind dann einige, unterschiedlich starke Ströme aus verschiedenen Bereichen nahe der Ekliptik tätig. Dazu kommt eine immer größer werdende Zahl an sporadischen Meteoren; auch der eine oder andere Perseide huscht bereits über den Himmel. Während die Quellen im Nahbereich der Ekliptik, mit Ausnahme der Antihelion-Meteore, Anfang August langsam wieder verstummen, schwillt der Meteorstrom der Perseiden immer mehr an. Wenn schließlich die Erde zwischen 11. und 14. August die dichtesten Partien der Teilchenwolke durchquert, so besteht kein Zweifel mehr: der Höhepunkt des Meteorjahres ist gekommen.

Perseiden (PER) im Maximum

Kein Meteorstrom hat eine derartige Popularität erreicht wie jener der Perseiden. Angesichts zahlreicher Meteore mit oft hellen Erscheinungen verwundert dies nicht. Erste Vertreter erscheinen bereits Mitte Juli, letzte machen sich bis weit in den August hinein bemerkbar. Durch die lange Aktivitätsperiode kommt es auch zu einer signifikanten Verschiebung des Radianten am Himmel (von der Cassiopeia über Perseus bis zur Giraffe). Er erreicht jeweils in der zweiten Nachthälfte seine größten Höhen über dem Horizont.

Position des Radianten der Perseiden, 15. Juli bis 25. August (IMO)Position des Radianten der Perseiden, 15. Juli bis 25. August (Quelle: IMO)

Mit einer Eintrittsgeschwindigkeit von 59 km/s zählen die Perseiden zu den schnellen Meteoren.

Wie auch bei anderen Meteorströmen kometaren Ursprungs sind nachleuchtende Spuren keine Seltenheit. Hält man sich den zurückgelegten Bahnabschnitt der Erde vor Augen, so bedeutet dies, dass der Strom eine Breite von annähernd 75 Mio. km besitzt. Anhand der Ausbreitung der Teilchen wird sein Alter auf mindestens 20.000 Jahre geschätzt.

Historisches

Der Strom ist auch unter dem Namen „Tränen des Heiligen Laurentius“ bekannt, zur Erinnerung daran, dass dieser am 10. August 258 in Rom den Tod auf dem Scheiterhaufen fand. Wenn man fernöstlichen Quellen Glauben schenken darf, beginnt die Geschichte der Perseiden schon vor der Zeitenwende. H. Mucke nennt hingegen als erste gesicherte Erscheinung den 26. Juli 830 (man beachte das verfrühte Datum auf Grund der Präzession). Somit kehrt der Strom seit zumindest 1200, wenn nicht mehr als 2000 Jahren mit großer Regelmäßigkeit wieder. Grund dafür ist seine gegenüber der Erdbahnebene starke Bahnneigung, die vor Störungen durch Planeten weitgehend schützt.

Systematische Beobachtungen begannen in der 1. Hälfte des 19. Jahrhunderts. Mitte der 1860er-Jahre, kurz nachdem der Komet 1862 III (nunmehr 109P/Swift-Tuttle; Umlaufszeit 130-135 Jahre) entdeckt und als Ursache der Perseiden erkannt worden war, lagen die ZHRs (stündlichen Zenitalraten) bei 100 und mehr. In der Folge nahmen sie bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts kontinuierlich ab. Interessanterweise wurden 1920 und 1921, trotz der Sonnenferne des Kometen, ZHRs von 200 und mehr registriert; auch 1931 und 1945 lagen diese mit über 160 überdurchschnittlich hoch.

Nach weiteren, meist nur mäßig aktiven Jahren erschien ab 1988 ein „neues“ Maximum, welches dem „traditionellen“ um einige Stunden vorausging und 1991-1994 ZHRs von 220 unb mehr erreichte. 1992 gelang zudem die Wiederentdeckung von 109P/Swift-Tuttle. Anschließend nahm die Stärke des „neuen“ Spitze wieder ab; 1999 wurde sie zum letzten Mal gesehen. Ungeachtet dessen konnten in den Folgejahren zeitweilig erhöhte Raten mit einer ZHR bis zu 200 beobachtet werden, wofür Begegnungen sowohl mit (älteren) Staubstreifen als auch einem Filament verantwortlich zeichneten. Der letzte größere Ausbruch fand 2016 statt; zudem ereigneten sich 2018, 2020 und 2021 unerwartete Aktivitätsspitzen bis zu eineinhalb Tage nach dem „traditionellen“ Maximum (ZHRs 60-140).

Die Perseiden 2026

2026 könnten die Bedingungen für Mitteleuropa nicht besser sein – Neumond am 12. August (mit totaler, in Österreich hochgradig partieller Sonnenfinsternis) sowie ein voraussichtlich in die frühen Morgenstunden des 13. fallendes Maximum liefern beste Voraussetzungen für die Beobachtung. Modellrechnungen legen allerdings geringere Maximalraten als sonst nahe. Erst 2027-2029 (vor allem 2028) ist infolge neuerlicher Störungen durch Jupiter mit (deutlich) höheren Raten zu rechnen.

Aktivitätsperiode: 17. Juli bis 24. August
Maximum: 12./13. August
Populationsindex: 2,2
ZHR: 80 bis 100

Erklärungen:

  • Aktivitätsperiode: Bezeichnet den Zeitraum, in dem der Strom in Erscheinung tritt.
  • Maximum: Nennt den Zeitpunkt maximaler Aktivität.
  • Populationsindex (r): Dieser Wert wird aus der beobachteten Helligkeitsverteilung der Meteore ermittelt und gibt den theoretischen Anstieg der Meteorzahlen von einer bestimmten Helligkeitsklasse zur nächst folgenden Klasse an. Er charakterisiert somit die Massenverteilung innerhalb eines Stroms (je größer der Wert, desto höher der Anteil schwächerer Meteore). Meist liegen die errechneten Werte zwischen r = 2,0 und 3,5; lediglich während der Meteorstrommaxima sinken diese in der Regel etwas ab (z. B. Perseiden: r = 1,8 bis 2,0).
  • ZHR (zenithal hourly rate = stündliche zenitale Rate): Gibt jene Meteorzahl an, die einzelne Beobachtende bei optimalen Bedingungen (Radiant im Zenit, freisichtige Grenzgröße +6,5mag, keine Einschränkung des Gesichtsfeldes, effektive Beobachtungszeit 1 Stunde) gesehen hätte. Es handelt sich somit um eine fiktive Größe, welche unterschiedliche Beobachtungen vergleichbar macht, auf Grund der Geometrie jedoch nur in wenigen Fällen (z. B. Geminiden) tatsächlich erreicht werden kann.
  • Staubstreifen: Schmaler, dichter Bereich aus Teilchen, die das verursachende Objekt (meist ein Komet) bei seinem Periheldurchgang hinterlässt.
  • Filament: Ansammlung von Teilchen, die durch die Gravitation eines Planeten (in der Regel Jupiter) in Bahnresonanz gehalten werden.

Hinsichtlich näherer Angaben wird auf die Website der International Meteor Organization (IMO) (https://www.imo.net) verwiesen. Diese bietet eine Fülle weiterer Informationen, unter anderem zur Beobachtung von Meteorströmen sowie in Hinblick auf spezielle Ereignisse.

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