Monduntergang am 31. Mai 2026 geben 3.45 Uhr MESZ

Als "Blue Moon" wird volkstümlich der zweite Vollmond in einem Monat bezeichnet. Dabei ist dieser Vollmond natürlich nicht blau. Fotos, die dies suggerieren, sind meist Fälschungen. Wie selten ist es eigentlich, dass es zweimal in einem Monat zu einem Vollmond kommt?

Der Begriff "Blue Moon" stammt vermutlich vom altenglischen "belewe moon", sprich bil'ju: mu:n, was so viel wie "belügender Mond" bedeutet (beachte den gleichen Wortstamm von "belewe" und "belügen"). Denn dieser Vollmond suggeriert die nächste Jahreszeit, wo diese doch noch gar nicht beginnt. Normalerweise finden in einer Jahreszeit drei Vollmonde statt. Der vierte liegt dann schon in  der nächsten Jahreszeit, nicht aber, wenn es zu einem Blue Moon kommt. Noch direkter sind Hinweise auf jenen Vollmond, der fälschlich den Ostervollmond und damit das nahe Ende der Fastenzeit suggeriert.

Warum sind zwei Vollmonde in einem Monat selten?

Für einen Umlauf um die Erde benötigt der Mond im Schnitt 27 Tage, 7 Stunden, 43 Minuten und 11,5 Sekunden, also rund 27,3 Tage. Nach dieser Zeit steht der Mond wieder an der gleichen Stelle des Himmels, also bei den gleichen Sternen. Daher der Begriff siderischer Monat für diese Periode. Da die Mondbahn elliptisch und noch dazu zahlreichen Störungen vor allem durch die Anziehungskraft der Sonne unterworfen ist, handelt es sich hier wie gesagt nur um einen Mittelwert, der von Monat zu Monat Abweichungen unterliegt.

Nach einem siderischen Monat steht der Mond zwar wieder an der gleichen Stelle des Himmels, aber nicht in der gleichen Phase. Die Monphasen kommen durch die Konstellation von Sonne, Erde und Mond zustande und während einer siderischen Periode wandert die Erde ein Stück um die Sonne.

Die Mondphasen wiederholen sich im Schnitt daher alle 29 Tage, 12 Stunden, 44 Minuten und 2,9 Sekunden (also rund 29,5 Tage). Nach dieser Periode, die ein synodischer Monat genannt wird, steht der Mond wieder in der gleichen Phase.

Nachdem der Gregorianische Kalender, nach dem wir heute leben, ein reiner Sonnenkalender ist (der Jahresbeginn ist an den Sonnenlauf gekoppelt), wandern die Mondphasen durch die Monate. Da ein Monat - abgesehen vom Februar mit 28 oder 29 Tagen - 30 oder 31 Tage lang ist, kann es vorkommen, dass eine Mondphase in einem gregorianischen Kalendermonat zweimal vorkommt.

Warum zwei gleiche Mondphasen in einem Kalendermonat möglich sindWarum zwei gleiche Mondphasen in einem Kalendermonat möglich sind

Blue Moon

Handelt es sich dabei um zwei Vollmonde in einem Monat, nennt man den zweiten einen Blue Moon. Im englischen Sprachraum hat sich das Sprichwort "once in a blue moon" etabliert, was sinngemäß etwa bedeutet "alle heiligen Zeiten". So selten ist ein Blue Moon aber gar nicht. Im Schnitt kommt es alle 2,4 Jahre dazu. In einem konkreten Monat zu 31 Tagen kommt es im Schnitt alle 20 Jahre zu einem Blue Moon, in einem konkreten Monat mit 30 Tagen alle 63 Jahre. Nur im Februar kann es nie einen Blue Moon geben, auch nicht in Schaltjahren. Gibt es einen Blue Moon im Jänner, kann es auch einen im März geben, wobei dann im Februar kein Vollmond eintritt. Dies ist in den Jahren 2018 und 2037 der Fall.

Blue Moon 2020 bis 2050Blue Moon 2020 bis 2050

Früher wurde als Blue Moon übrigens nur der dritte Vollmond in einer Jahreszeit mit vier Vollmonden bezeichnet, da in einer (drei Monate) normalerweise nur drei Vollmonde auftreten (siehe oben; dieser dritte Vollmond suggeriert fälschlicher Weise die bevorstehende nächste Jahreszeit). Eine erste Erwähnung dieses Phänomens findet sich im Maine Farmer's Almanac von 1819. Erst gegen Mitte des 20. Jahrhunderts verbreitete sich die Bezeichnung für den zweiten Vollmond in einem Kalendermonat infolge einer Fehlinterpretation des Maine Farmer's Almanac.

Irgendetwas in diese Erscheinung zu interpretieren, abgesehen von einer kalendarischen Kuriosität, ist genauso sinnlos wie sonst etwas in den Lauf der Gestirne zu interpretieren. Der Kalender ist ein von den Menschen geschaffenes, künstliches, mathematisches Gebilde; in keinem Datum liegt etwas besonderes. Und dass der Vollmond keine Auswirkungen auf Menschen hat - ausser auf jene, die sich durch künstliche Angstmacherei beeinflussen lassen - sollte im 21. Jahrhundert auch schon sattsam bekannt sein.

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