Venus beschert uns in acht Jahren fünf Abend- und fünf Morgensichtbarkeiten. Dabei sind auf der Nordhalbkugel der Erde jene Morgensichtbarkeiten am besten, die in die zweite Jahreshälfte fallen. Das ist bei dieser Sichtbarkeit der Fall.
Bereits vor der unteren Konjunktion am 23. März 2025 tauchte Venus am Morgenhimmel auf, da sich in diesem Jahr eine Doppelsichtbarkeit am Abend- und Morgenhimmel von 16. bis 21. März ergab.
Foto: Venus kurz nach ihrem Auftauchen am Morgenhimmel am 26. März 2025, nur drei Tage nach der unteren Konjunktion. Aufgenommen von Wolfgang Vollmann mit einem Teleobjektiv, entsprach der Anblick jenem in einem Fernglas.
Bis Anfang Mai verläuft die Sichtbarkeit noch eher zaghaft, legt dann aber zu. Ihren Höhepunkt erreicht sie Ende Juli und Anfang August. In diesem Zeitraum findet auch eine Begegnung mit Jupiter statt. Von September bis Dezember wird die Morgensichtbarkeit sukzessive ungünstiger, sie endet in den ersten Dezembertagen vor der oberen Konjunktion am 6. Jänner 2026.
Verlauf der Morgensichtbarkeit der Venus im Jahr 2025. Dargestellt ist die Position der Venus jeweils zum Beginn der bürgerlichen Morgendämmerung. Simulation mit Stellarium, www.stellarium.org
Eckdaten zu dieser Morgensichtbarkeit:
2025-03-23 | untere Konjunktion (beobachtbar!) | 42 Mio. km |
2025-04-27 | größter Glanz (-4,8 mag) | |
2025-06-01 | größte westliche Elongation (46°) | |
2026-01-06 | obere Konjunktion (unbeobachtbar) | 256 Mio. km |
Ein paar Fragen und Antworten:
-
Venus erreicht am 1. Juni ihre größte Elongation von der Sonne, wohingegen obige Grafik etwas anderes suggeriert?
Nun, Elongation ist nicht alles. Es kommt ganz darauf an, wie die Ekliptik zum Horizont liegt. Für Morgensichtbarkeiten gilt der Grundsatz: Im Frühling steht die Ekliptik flach und daher ungünstig zum Westhorizont, im Herbst aber steil und daher günstig. Daher sind Morgensichtbarkeiten von Merkur und Venus im Herbst am besten. Die optimale Sichtbarkeit ergibt sich, wenn die größte Elongation von der Sonne zu Herbstbeginn eintritt.
-
Wieso ist Venus gerade am 27. April am hellsten?
Das Helligkeitsmaximum ergibt sich aus der maximalen beleuchteten Fläche der Venus und tritt, da die Bahn der Venus um die Sonne sehr kreisförmig ist, ziemlich genau 36 Tage vor bzw. nach der unteren Konjunktion ein.
-
Wie kommt diese Grafik überhaupt zustande?
Das ist nicht einfach zu erklären, es ist komplexe Himmelsgeometrie. Einerseits zieht Venus ihre Bahn vor dem Hintergrund der Sterne (die in der hellen Dämmerung, abgesehen von den hellsten, noch nicht zu sehen sind), andererseits ändert sich von Abend zu Abend die Lage der Ekliptik zum Horizont. Wechselnde Elongation der Venus von der Sonne und wechselnde Neigung der Ekliptik zum Horizont ergeben in Summe die dargestellte Kurve.
(AP)