Zum ersten Mal seit einigen Jahren können wir um den 15. März 2025 wieder ein Maximum des bekannten veränderlichen Sterns Mira (Omikron Ceti) beobachten. Dieser "wunderbare Stern" verändert seine scheinbare Helligkeit mit einer Periode von rund 330 Tagen um bis zu acht Größenklassen.

Himmelsanblick am 15. März 2025 um 19 Uhr MEZ
Himmelsanblick am 15. März 2025 um 19 Uhr MEZ mit der markierten Position von Mira, die an diesem Tag mit freiem Auge zu sehen sein sollte. Oben links im Bild Orion, oben im Bild der Stier mit Jupiter, den Hyaden und den Plejaden. Bild erstellt mit Stellarium, www.stellarium.org.

Um den 15. März 2025 sollte Mira eine scheinbare Helligkeit von zweiter bis dritter Größenklasse erreichen und somit auch in der Abenddämmerung mit freiem Auge zu sehen sein.

Der Stern ο Ceti (Mira) wurde bereits im Jahr 1596 vom ostfriesischen Pfarrer David Frabricius als veränderlicher Stern erkannt. Diese Entdeckung war bemerkenswert, da bisher die Fixsterne als unveränderlich galten. Aufgrund dieses Verhaltens wurde der Stern von Johannes Hevelius "mira stella" - wunderbarer Stern - genannt.

Mira ist ein bemerkenswerter Stern. Die scheinbare Helligkeit ändert sich mit einer Periode von ca. 331 Tagen in dem enormen Bereich von der neunten bis zur zweiten Größenklasse. Somit ist die Natur von Mira als veränderlicher Stern auch mit freiem Auge zu erkennen. Mira zeigt einen periodischen Helligkeitswechsel mit einem etwas steilerem Helligkeitsanstieg und einem etwas flacheren Helligkeitsabfall. Da die Periode von 331 Tagen recht ähnlich der Länge des tropischen Jahrs (365,2422 Tage) ist, waren die Maxima in den letzten Jahren weniger gut zu beobachten, was sich aber in den nächsten Jahren wieder ändert.

Typische Lichtkurve von Mira
Eine typische Lichtkurve von Mira. Die Lücken entstehen in der Zeit, in der Mira nicht zu beobachten ist.

Um das Maximum herum ist Mira für kurze Zeit mit freiem Auge zu sehen und wird so hell wie die hellsten Sterne in dem an sich nicht allzu auffälligen Sternbild Walfisch, das zudem in unseren Breiten nur tief am herbstlichen Sternenhimmel steht und im Winter nur mehr kurz in der Abenddämmerung zu sehen ist. Mira hat eine Deklination (δ) von -2° 50' und erreicht somit für Wien eine Kulminationshöhe von ca. 39°.

Sichtbarkeitsdiagramm für Mira
Sichtbarkeitsdiagramm für Mira für Wien mit den Zeiten von Aufgang, Kulmination und Untergang übers Jahr und Markierung des Maximums 2025.

Da die Periode von Mira kürzer ist als das Tropische Jahr, wird Mira in den nächsten Jahren günstiger zu beobachten sein. Zum Auffinden von Mira am Himmel ist folgende Karte des Sternbilds Walfisch hilfreich:

Aufsuchkarte für Mira
Aufsuchkarte für Mira, erstellt mit Stellarium, www.stellarium.org

Mira ist ein roter Riesenstern mit 1,2-facher Sonnenmasse, aber dem 330- bis 400-fachen Sonnendurchmesser. Die Entfernung beträgt rund 300 Lichtjahre.

Die Ursache für die Helligkeitsschwankung von Mira ist Pulsation. Um das Helligkeitsmaximum hat Mira den 332-fachen Sonnendurchmesser, eine Oberflächentemperatur von rund 3.192K und die 9.360-fache Leuchtkraft der Sonne. Um das Helligkeitsminimum beträgt der Durchmesser das 402-fache der Sonne, die Oberflächentemperatur sinkt auf 2.918K, die Leuchtkraft auf das 8.400-fache der Sonne. Der enorme Helligkeitsunterschied für das freie Auge erklärt sich durch den Umstand, dass Mira im Minimum die meiste Strahlung im infraroten Bereich des Spektrums abgibt, der für das menschliche Auge nicht mehr sichtbar ist.

Mira ist der Prototyp einer nach ihr benannten Klasse langperiodisch veränderlicher Sterne. Mira-Sterne sind Rote Riesen am asymptotischen Riesenast (Asymptotic Giant Branch, AGB) in einer thermisch instabilen, späten Phase ihrer Entwicklung. Diese Sterne unterliegen einem großen Massenverlust. Das Alter von Mira beträgt rund sechs Milliarden Jahre.

Mira ist ein Doppelstern. Der Rote Riese wird von einem Weißen Zwerg von ca. 0,7 Sonnenmassen begleitet. Die beiden Sterne umkreisen ihren gemeinsamen Schwerpunkt einmal in rund 400 Jahren in einem Abstand von im Schnitt ca. 50 Astronomischen Einheiten (das ist etwas weniger als die doppelte Entfernung Neptuns von der Sonne).

Mit dem Hubble Weltraumteleskop ist es gelungen, Mira als flächiges Objekt und den Begleiter abzubilden.

Mira (HST)
Mira als flächiges Objekt mit ihrem Begleiter. Credit: NASA.

Wichtige Links für alle, die Mira beobachten möchten:

(AP)

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